Einführung

Brücken stehen visuell prägnant in der Landschaft. Sie überwinden Täler, überqueren Flüsse und verbinden Länder. Für den Warenhandel sind sie unabdingbar und verhelfen uns zu allgemeinen Wohlstand. Auch die Kulturen vieler Länder finden ihren Weg über dieselben Brücken zu uns. Die Durchmischung trägt dazu bei, dass die Inspiration und die Kreativität in vielen Bereichen gefördert wird und zu unserer Prosperität beitragen.

Diese Meinung wird nicht von allen geteilt. Das Fremde wird auch als besitzergreifend empfunden, als eine Gefahr die unser Wohlsein stören will. Verschiedene Gruppierungen versuchen daraus Kapital zu schlagen und zeichnen ein Bild des Unterganges, des Verlustes der Nation oder des Ausverkaufs der eigenen Werte. Meist geht es diesen Gruppen nur darum, sich selbst zu stärken um nach der Macht greifen zu können, und dieses auf dem Rücken des Fremden, das sich nicht nur in Hautfarbe und Glauben manifestiert, sondern auch das Anders-Denken mit den gleichen Wurzeln wird auf einmal als fremd markiert.

Gerade in der heutigen Zeit, wo kriegerische Aktivitäten wieder vermehrt zum Alltagsbild gehören und sich riesige Flüchtlingsströme auf dem Weg zu uns befinden werden, hat diese Thematik eine traurige Aktualität. Mit meinem Projekt möchte ich für einen Moment die Gräben des Andersseins „überqueren“ und „Brücken bauen“ zum Fremden. In der Umsetzung werden Menschen zusammen ein symbolisches Werk bauen: eine Brücke.

Konzept

In der Überzeugung, dass gemeinsames Handeln den Austausch untereinander anregt und dabei ein sich Kennenlernen und ein sich Verstehen stattfinden wird, möchte ich mit einer kulturell durchmischten Gruppe von Menschen innerhalb einer Woche eine von mir konzipierte Brücke bauen.

Das gemeinsam an einem Ziel bauen verlangt, sich mit dem Gegenüber auseinander zu setzen, um seine Stärken und Schwächen besser kennen zu lernen. Nur so kann das Bauwerk zur Zufriedenheit aller gelingen. Das gesellige Beisammensein beim Essen und Trinken wird dazu beitragen, dass sich die Teilnehmenden näherkommen. In diesen unterschiedlichen Begegnungen wird das Verständnis gegenüber dem Anderen und dem Anderssein wachsen. Dies ist eine Grundbedingung für den Beginn einer gelungenen Integration fremder Kulturen und anders Denkenden.

Die Brücke dient in diesem Zusammenhang einerseits als erkennbares Bauwerk, über dieses Waren und Menschen bewegt werden, anderseits als Metapher, die sich in Redewendungen wie „Brücken schlagen“ oder „Brücken abbrechen“ ausdrückt.

Folgende Merkmale sind dieser Brücke innewohnend:

  • Aus kleinem Großes schaffen: Aus kleinformatigen, handelsüblichen Dachlatten wird ein tragfähiges, Großes Werk entstehen.
  • Gemeinsames Handeln: Gemeinsam wird ein Werk erbaut.
  • Fragiles Gleichgewicht: Die Verjüngung des Querschnittes der Brücke zur Mitte hin, verweist auf das fragile Gleichgewicht von Hoffnung und Furcht vor dem Unbekannten auf der anderen Seite. Häufig entsprechen die Träume nicht der angetroffenen Realität.
  • Heimatverbundenheit: Die breiten Brückenköpfe zeigen die starke Verbundenheit zur Herkunft, zu Familie und zu Freunden. Diese starken Bande müssen auf der anderen Seite zuerst wiedergefunden werden. Dies ist nicht einfach und kann über Generationen hinweg andauern.

Das Erlebnis des Brückenbaus wird mit Fotos und Videos dokumentiert und in passender Form, zusammen mit dem erklärenden Text, den kommenden Besuchern der Ausstellung zugänglich gemacht. Gedanken, Anregungen oder Fragen an andere Besucher wie an die Ausstellungsmacher können über Facebook gepostet werden. Der Besucher wird einerseits noch etwas vom spannenden Prozess des miteinander Gestaltens miterleben und kann anderseits seine Gedanken dazu einbringen.